Buchtipps machen eigentlich nur Sinn, wenn man bereits ähnliche Bücher wie der Kritiker
(in dem Fall also ich) mag. Daher kurz meine eigenen Vorlieben:
Ich mag komplett erstellte Welten, eigene Universen, die innerhalb des Buches ein so starkes
Leben besitzen, dass man sich wünscht innerhalb des Umschlags geboren zu sein. Das finde ich
in erster Linie im SF Bereich, zum Teil (seltener) auch im Fantasybereich. Daneben gibt es
auch noch einige Bücher die ich aufgrund der Tiefe schätze welche die Autoren diesen Büchern
verliehen haben und für Kreativität und neue Ideen gebe ich auch jedem Schreiber ein "Thumb up".
Mein Tipp... wenn du schon ein paar derselben Bücher kennst und magst und was neues
zum lesen suchst, schau mal hier rein.
Meine Fachbuchsektion ist noch etwas klein, aber wirklich gute Bücher für KI zu finden
ist halt schwer :-).
Im übrigen ist diese Site noch nicht fertig und nur schon Online da ich die Kommentare von
anderen dazu schätze (grösstenteils Kritik bisher *g*).
Adams wurde erfolgreich mit einer Hörspielserie namens Per Anhalter durch die Galaxis und
so lautet auch der Titel seines ersten Buches.
Seine Werke sind, vor allem innerhalb der Technikszene, inzwischen so etwas wie Kulturgut.
Wer Scherze an deren Ende nur eine 42 steht nicht kapiert gilt hier als jemand der sein
Leben in einer parallelen Galaxis verbracht hat. Empfehlen kann ich von ihm eigentlich alles.
Douglas Adams 5-teilige Anhaltertrilogie spielt im SF Bereich, doch die SF wird hier eher als
Transportmittel für eine tiefgründige Karikatur der Suche nach dem Sinn des Lebens eingesetzt. Man sollte
mit dem ersten Buch beginnen und sich dann vorarbeiten. Der Engländer Arthur Dent wird in diesen Büchern
jäh aus seinem geruhsamen Leben gerissen, als Aliens die Erde sprengen um Platz für eine Hypergalaktische
Umgehungsstrasse zu schaffen und sich sein Freund als Kundschafter für ein Buch für ausserirdische Anhalter
erweist. Ohne auch nur die geringsten Anzeichen von Heldentugenden wird er von da ab auf skurielste Weise
durch Raum und Zeit befördert, immer am Rande des Chaos entlang. Wenn ich es wagen würde bei diesem Autor
Kritik anzubringen, dann dahingehen, dass die Reihenfolge dieser Bücher der Qualität derselben etwa
entspricht (alle gut.. aber das erste ist das beste).
Weitere Bücher von ihm sind seine beiden Dirk-Gently Bücher, mehr in der Gegenwart angesiedelt
und mit vielen Anspielungen auf moderne Technik und alte englische Autoren (wobei ich auch hier das erste
als das bessere ansehe). Klassische Detektivgeschichten mit ausgefeilten Charakteren, kleinen Abstechern
in die Vergangenheit der Erde und in die Mythologie.
Mit Last Chance to See beschrieb er eine sehr kritische (und wie immer,
sehr humorvolle, wenn auch etwas depremierende) Reisebeschreibung zu aussterbenden Tierarten. Dieses
Buch erreicht zwar bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad der Anhalter-Serie ist aber mein persönlicher
Favorit von ihm.
Und zuletzt kann ich noch ein Buch für schlechte Tage an denen man dringend etwas
zum schmunzeln braucht von diesem Wunderkind empfehlen: The meaning of Liff (gibt es auch auf Deutsch:
Der Sinn des Labens und eine erweiterte Fassung namens "Der tiefere Sinn des Labens", kenne ich aber
beide noch nicht). Im Prinzip ein Wörterbuch - jedoch ein Wörterbuch für all die Situationen die
wir alle kennen, für die uns jedoch der passende Begriff fehlt. Ein kleines Beispiel? Wie bezeichnet
man die kühle untere Seite des Kopfkissens? Abilene - dank D.Adams.
Iain M. Banks
Iain Banks wechselt seit Jahren zwischen den Welten der SF und der Betrachtung unserer eigenen Welt
aus neuen Blickwinkeln hin und her. Seine SF lässt sich ganz gut lesen, doch wirklich brilliant
sind für mich seine anderen Bücher, von denen ich meine persönlichen Favoriten hier kurz vorstelle.
Übrigens veröffentlicht er seine SF als Iain M. Banks und die sonstigen Bücher als Iain Banks (also
ohne das M. in der Mitte).
Ich mag sicher nicht viele Bücher deren Hauptcharakter ein Teenager ist. Doch der Teenie in Die
Wespenfabrik
ist auf eine so düstere Weise verdreht, dass man recht schnell in den Bann des Buches geschlagen wird.
Aufgewachsen auf einer Halbinsel mit wenig Kontakt nach außen, erzogen von einem alleinlebenden Vater
der seltsamen Forschungen nachgeht, vertieft er sich mit voller Konzentration in selbsterfundene
Rituale. Ein oft makabres Buch das von der Wortgewalt des Autors und einer mitreissenden Erzählweise lebt.
Die Wespenfabrik war sein Erstwerk und für den Leser ist es ein guter Einstieg um Banks kennenzulernen.
In Barfuss über Glas werden drei unterschiedliche Kurzgeschichten auf Kollisionskurs geschickt. Banks
ist in diesem Buch ungemein experimentierfreudig, spielt mit Ideen ohne dem Leser das mitdenken
abzunehmen. Paranoia, eine extrem unglückliche Liebschaft und ein Paar welches in ein aus Büchern gebautes
Haus verbannt wurde spielen dabei die Hauptrollen. Dieser surreale Stil ist sicher nicht jedermanns Sache
aber als Mainstreamleser will ja keiner gelten, oder?
Träume vom Kanal hätte ich nach dem ruhigen Anfang schon fast als nette, aber etwas langwierige Story
abgetan. Eine Starviolonistin verbringt eine geruhsame Schiffsreise durch den Panamakanal, doch das Buch
gewinnt Stück für Stück an Schwung und entwickelt sich immer mehr in ein blutiges Aktionspektakel. Und im
nachhinein weiss man auch die anfängliche Charakterentwicklung zu schätzen. Wenn es je eine Verfilmung geben
wird, sind die Schnitte bereits abzusehen.
In Whit darf der Leser der Reise der "Auserwählten" eines kleinen religiösen Kultes durch England beiwohnen.
Der Kontakt dieser, in einer verschlossenen New-Age-Sekte aufgewachsenen, Heiligenfrau mit unserer Welt
ist teils humorvoll, in erster Linie jedoch eine interessante Betrachtung der modernen Welt aus ungewohntem
Blickwinkel. Wer mehr einen wirtschaftszentrierten Blickwinkel bevorzugt sollte sich an The Business
halten. Beide Bücher sind übrigens deutlich weniger düster als die Erstwerke von Banks, toll geschrieben aber ein bisschen
vermisse ich die Aggresivität der ersten Bücher.
Greg Bear
Greg Bear sieht den Menschen als ein Auslaufmodell der Natur an, welches bereits in den nächsten
Jahrzehnten einen Nachfolger erhalten wird. Diese Weltanschaung spiegelt sich oft in den apokalyptischen
Szenarien seiner Geschichten wieder. Man muss diese Einstellung nicht selbst teilen um die
spannende Erzählweise und die kreativen Ideen dieses Mannes zu geniessen. Er steht allerdings ganz
in der Tradition der Hardcore-SF und ist daher eher was für Fans dieses Genres.
Das deutlich beste Buch von G.Bear ist für mich Blutmusik. Intelligente Viren überrollen die Menschheit,
nicht in wirklich böser Absicht sondern als neue Lebensform deren Zeit gekommen ist. Im Gegensatz zur
üblichen SF in deren Zentrum noch immer der menschliche (oder zumindest menschenähnliche) Geist herrscht
versucht sich Gear mit dem Blick in eine Zukunft welche eher den Visionen eines Teilhardt den Chardin ähneln
(ist nicht so bekannt, aber dabei geht es grob zusammengefasst um die Idee, dass die Intelligenz sich in
Richtung eines Gott-ähnlichen selbstbewussten Universums tendierend ausbreitet).
Empfehlen kann ich auch noch Schmiede Gottes. Die Erde erlebt den Angriff einer zeitverzögerten Waffe
die technisch so überlegen ist, dass die Menscheit dazu verdammt ist dem Countdown tatenlos zusehen
zu müssen. Liest sich gut.
William Burroughs
Hoffnung, Ekel, Sex und Gewalt, nicht immer getrennt und mit tollem Sprachverständnis serviert.
Burroughs hämmerte wilde Fantasien in seine Bücher welche oft an der Schwelle zwischen Realität
und Drogenrausch herumlungern.
Eines (oder das?) seiner Meisterwerke ist Naked Lunch. Eine Collage verknüpfter Kurzgeschichten rund
um Sex und Drogen. Schwer psychologisch, aber nicht ohne Witz, wird der Leser durch die dunkelsten Seiten
der Gesellschaft gezogen. Seine anderen Bücher kenne ich nur teilweise, doch um den Autor kennenzulernen
kann ich Naked Lunch empfehlen. Ein gewisses Vermögen abstrakte Ideen zu konsumieren sollte man als Leser
allerdings schon besitzen, sonst wirds schwer verdaulich.
Umberto Eco
Eco's Romane (die anderen Bücher lasse ich mal aussen vor) zeichnen sich durchgehend durch sein
intensives Fachwissen aus. Oberflächig sind es äussert spannende Romane, doch richtig ins
stauenen kommt man, wenn man sich mit dem Stoff bereits etwas beschäftigt hat und festelllt wie
es U.Eco schafft diesen in eine Geschichte umzuwandeln ohne dabei an Tiefe zu verlieren.
Der Name der Rose - Mittelalter & Religion
Das Focoultsche Pendel - Hermetik
Neil Gaiman
Gaiman ist eigentlich eher bekannt für seine Sandman Comicserie, als für seine Bücher.
Leider lassen sich seine Bücher auch in vielen Läden nicht finden und so kommt es, dass ich
seinen neuesten Werke noch immer nicht gelesen habe (sollen aber sehr gut sein).
Niemalsland führt den Leser durch ein London welches eine zusätzliche Realität besitzt. Die
Welt der Bettler und Obdachlosen, welche sich grösstenteils vor allen Augen befindet, jedoch
von niemandem gesehen wird. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, dies ist kein
Sozialdrama, sondern es geht um eines der kreativsten Fantasywerke das ich kenne. Engel, Monster,
Magie und perfektionistische Kämpfer, doch die Schätze von Niemalsland bestehen nicht aus Gold sondern
aus Kugelschreibern und Abfällen.
Good Omens entstand in Teamarbeit mit Terry Pratchett. Der Antichrist ist geboren,
der Höllenhund ist auf der Erde, die 4 Apokalyptischen Motorradfahrer kommen zu Besuch.
Kurz gesagt, das Ende der Welt ist nahe, sehr nahe, sagen wir nächstes Wochenende? Einem Engel
und einem Dämonen, welche sich seit Jahrtausenden gemütlich auf der Erde eingerichtet haben,
behagt dies jedoch nicht sonderlich und sie machen sich auf dies zu verhindern. Angeblich ist dieses
Buch auch Grundlage des aktuellen Filmprojekts von Terry Gilliam.
Comicfans welche Sandman noch nicht kennen, sollten unbedingt mal ein bisschen die
Fantasyläden danach durchsuchen. Auf euch wartet nicht nur eine dunkle Mythenwelt sondern ihr begnet dabei
auch einem wirklich attraktiven Tod. Um eine Ahnung zu vermitteln was ich sonst so an Comics mag gibt's an
dieser Stelle noch ein paar meiner Favoriten von anderen Schriftstellern: Preacher, The Books of Magic (übrigens
auch mit Stories von Gaiman) und Transmetropolitan.
William Gibson
Gibson erfand dem Begriff des Cyperspace in seinem ersten Buch und dieser Begriff entwickelte sich nicht
nur zu einer Standardbeschreibung dessen was das Web mal werden könnte, sondern er prägte mit diesem Buch auch
massgeblich die Literaturgattung des Cyberpunk. Die Gegenkultur der Punks, der Rebellen welche die Macht eines
Gesellschaftssystems bewusst angreifen, verfrachtet in eine Umgebung in welcher die Technik bereits zum Alltag
wurde.
Neuromancer
Biochips
Mona Lisa Overdrive
Simon R. Green
Schattenfall
Todtsteltzer Serie
Robert A. Heinlein
Bekannt durch die Verfilmung von Starship Troopers
Der Mond ist eine herbe Geliebte
Fremder in einer fremden Welt
Frank Herbert
Dune
Michel Houellebecq
Elementarteilchen
H.P. Lovecraft
Lovecraft ist so etwas wie der Urvater der Horrorgeschichten. Seine Ideen finden sich in vielen
neuen Büchern, wie z.B. bei King und sein Einfluss ist auch in vielen Filmen spürbar.
Er war in erster Linie ein Kurzgeschichtenerzähler und hat kaum komplette Romane verfasst.
Seine Geschichten spielen oft mit der Grenze zwischen Wahrnehmung, Traum und Phantasie und
auch wenn er literarisch nicht unbedingt als Genie galt war sein Einfluss auf die phantasistische
und Horrorliteratur enorm. Ich las seine Bücher zuerst aus Interesse an literarischen Wurzeln,
doch die Düstere-Märchen-in-fast-forward Struktur wirkte trotz ihres Alters so erfrischend auf mich
das ich immer wieder auf diesen Autor zurückgreife.
Bisher fand ich alle seine Bücher sehr unterhaltsam, doch mein Favorit ist Die Traumsuche nach
dem unbekannten Kadath.
Diese Story gibt es als eigenes Buch, ist aber auch in der Geschichtensammlung
"Die Katzen von Ulthar" enthalten. Die Elemente die Lovecraft ausmachen, die Figuren des Ctulluh-Cyclus, die
unheilverkündenten Sätze welche das schrecklich immer streifen wie jemand der es kennt aber uns nur eine Ahnung
vermitteln kann und seine nahezu unendlich Kreativität sind in dieser fantastischen Geschichte alle enthalten.
Der Horror hält sich für moderne TV-gestählte Leser in Grenzen, doch die Reiz dieser Geschichte lädt dennoch zum
mehrmalslesen ein... möglichst bei Kerzenlicht und einer Katze zum streicheln neben sich.
Terry Pratchett
Scheibenwelt - Serie
The Carpet People
Thomas Pynchon
Vineland
Matt Ruff
Fool on the Hill
Dan Simmons
Hyperion
Kraft des Bösen
Neil Stephenson
Snow Crash
Diamond Age
Cryptonomicon
Bruce Sterling
Schismatrix
J.R.R. Tolkien
Der kleine Hobbit
Herr der Ringe
R.A. Wilson
Illuminatius (mit Shea)
Schrödingers Katze (alle 3)
Steve Grand - Creation
Der nicht so bescheidend klingende Untertitel dieses Buch lautet "Life and how to make it".
Aber nicht abschrecken lassen, der Schreiber ist kein eingebildeter Möchtegern-Frankenstein
sondern der Entwickler des Computerspielhits Creatures.
Für den Fall dass jemand Creatures noch nicht kennt (bist du wirklich an AI-Fachbüchern interessiert?) stelle
ich es mal in Kürze vor: Es handelt sich um eine kleine (aber komplexe) Weltensimulation in welcher die Spieler
knuffige Kreaturen züchten dürfen. In dieser bunten Kunstwelt wurde eine abstrakte Abbildung unserer eigenen
Welt auf biologischer Ebene versucht. Die Creatures besitzen keine vorgefertigten Skripte für ihr Verhalten,
sondern ein Gehirn, basierend auf neuronalen Netzen und einer Simulation der chemischen Vorgänge
in unseren eigenen grauen Zellen. Der Spieler beschäftigt sich daher in erster Linie damit den Spielfiguren
ein interessantes Verhalten beizubringen. Auch die restliche Welt besteht hier nicht aus der computerspieltypischen
Grafikorgie die durch ausgereifte Animationen den Anschein von Leben erweckt, sondern beruht
durchgehend auf der simulierten Umsetzung der grundlegenden Vorgänge unserer eigenen Welt.
Das Buch behandelt ausführlich die Entstehung und noch viel mehr die Ideen die hinter diesem Projekt standen.
Grand's Philosphie beschreibt das Leben als ein System, welches nur in einer wechselseitigen Beziehung zu einer
komplexen Umwelt entstehen kann. Das ganze ist dabei so interessant geschrieben, dass ich es vermutlich auch
ohne größere Bedenken in meine Bellistrik-Abteilung verfrachten könnte. Empfehlen kann ich das Buch jedem,
der sich dafür interessiert was Leben bedeutet, der KI-Welten mag und vor allem jedem der sich wünscht so etwas
einmal selbst zu erschaffen und dabei von einem Meister dieses Themas lernen möchte.
Marvin Minsky - The Society of mind
Der MIT Professor Minsky ist einer der frühesten und bekanntesten Verfechter der harten KI und das seit ca. 50 Jahren.
Dieses Buch ist weder sein einziges noch sein neuestes sondern lediglich das einzige das ich bisher von ihm
gelesen habe. Könnte sich also auch lohnen seine anderen Werke zu checken. So ganz grob zusammengefasst geht
es um die Idee, dass das Gehirn aus relativ unabhängigen Agenten zusammengesetzt ist, die jeweils für eine
spezielle Aufgabe zuständig sind. Interessant wird das Buch dadurch, dass es sich sehr intensiv mit der
Struktur dieser Agenten beschäftigt und konkrete Möglichkeiten anbietet diese auf Computern zu simulieren.
Geeignet sehe ich es mal für alle an, die ein Buch suchen das ihnen einen relativ leicht verständlichen
Einstieg in die Versuche der KI Forscher das menschliche Gehirn zu simulieren gibt. Sein Ansatz ist nicht
weder der einzige noch ist er unumstritten (eher das Gegenteil), doch zumindest einer der bekanntesten
die es gibt.
Douglas R. Hofstadter - Gödel, Escher, Bach